Wer historische Ortskerne erkundet, entdeckt im Bergischen Land mehr als Fachwerk und Schieferfassaden: In Lennep erzählen Straßen und Plätze von Handel und Tuchmacherei, Beyenburg erinnert an Kloster- und Pilgergeschichte, und andernorts prägen Brände und Wiederaufbau das Stadtbild. Für Remscheider liegen zwei Ziele sogar vor der eigenen Haustür: Lennep und Lüttringhausen.
Die folgende Auswahl führt durch zehn historische Ortskerne und Stadtviertel. Sie verbindet bekannte Altstadtbilder mit Orten, deren Reiz in ihrer gewachsenen Struktur liegt. Hattingen ist dabei als sehenswerter Nachbar an der Ruhr aufgenommen – nicht als Teil des eigentlichen Bergischen Landes.
Zwei historische Ziele in Remscheid
1. Remscheid-Lennep: Tuchmacherstadt mit kreisförmigem Kern
Lennep gehört zu den ältesten historischen Stadtkernen der Region. Der Ort erhielt 1230 Stadtrechte und entwickelte sich zu einem wichtigen Handelsplatz. Seine annähernd kreisförmige Altstadt ist bis heute erkennbar: Schmale Gassen, Schieferhäuser und historische Plätze erinnern an die Zeit, in der Handel und Tuchproduktion Wohlstand brachten.
Beim Rundgang bieten sich der Alte Markt und die Stadtkirche als Orientierungspunkte an. Einen eigenen Schwerpunkt setzt das Deutsche Röntgen-Museum, das Wilhelm Conrad Röntgen gewidmet ist. Wer sich für Stadt- und Regionalgeschichte interessiert, kann so den Blick auf Lenneps Handelsvergangenheit mit der Geschichte des berühmten Sohnes der Stadt verbinden.
2. Remscheid-Lüttringhausen: das „Dorp“
Der historische Ortskern von Lüttringhausen wird von Einheimischen „Dorp“ genannt. Traditionelle bergische Häuser, kleine Straßen und die Stadtkirche prägen das Viertel. Anders als eine dicht geschlossene Fachwerkaltstadt vermittelt Lüttringhausen vielerorts den Eindruck einer gewachsenen bergischen Kleinstadt.
Durch den Ort führte einst eine bedeutende Handelsstraße von Brügge nach Lübeck. Wer den Spaziergang ausdehnen möchte, findet hier zudem einen Anknüpfungspunkt für Wanderungen: Die regionale Drei-Altstädte-Tour verbindet Lüttringhausen mit Beyenburg und Gräfrath.
Vier Orte mit ausgeprägtem Altstadtbild
3. Solingen-Gräfrath: Gassen rund um den Marktplatz
In Gräfrath reihen sich rund um den Marktplatz verschieferte Fachwerkhäuser, kleine Geschäfte und historische Gebäude aneinander. Gepflasterte Gassen führen zur ehemaligen Klosterkirche und zum Deutschen Klingenmuseum. Die Kombination aus bergischer Bauweise und geschlossener historischer Bebauung macht den Stadtteil zu einem besonders anschaulichen Ziel für einen Altstadtspaziergang.
Wer Gräfrath besucht, kann den Marktplatz, die Klosterkirche und das Museum in einen Rundgang einbeziehen – und anschließend Zeit für die kleinen Gassen lassen.
4. Hückeswagen: Schloss über den alten Straßenzügen
Das Schloss hoch über der Altstadt prägt das Bild von Hückeswagen. Darunter liegen verschieferte Häuser, schmale Gassen und alte Bürgerhäuser. An Marktstraße, Pauluskirche und Schlossplatz lässt sich das historische Ensemble besonders gut erfassen.
Die Gebäude erinnern an den Wohlstand, den Tuchmacher und Kaufleute einst in die Stadt brachten. Ein von der Stadt angebotener historischer Altstadtrundgang kann bei der Orientierung helfen.
5. Velbert-Langenberg: Treppen, Täler und Bürgerhäuser
Langenberg entwickelte sich zwischen den Hängen mehrerer Täler. Seine Geschichte ist eng mit der Textilindustrie verbunden; aufwendig erhaltene Bürgerhäuser erinnern an den früheren Wohlstand der Kaufleute. Gepflasterte Straßen, Treppen und verschachtelte Häuserzeilen geben dem Ort einen eigenen Charakter.
Zu den markanten Gebäuden zählt das Historische Bürgerhaus. Für den Rundgang sind bequeme Schuhe sinnvoll, denn einige Gassen und Treppen führen steil bergauf.
6. Wuppertal-Beyenburg: Klostergeschichte an der Wupper
Beyenburg liegt an der Wupper und ist geprägt von alten Fachwerkhäusern, engen Straßen und der Klosterkirche St. Maria Magdalena. Der Ort war früher eine Station an Handels- und Pilgerwegen. Heute gehört auch der Beyenburger Stausee zu den sehenswerten Punkten.
Der Kontrast zwischen den historischen Häusern und der umliegenden Landschaft macht Beyenburg zu einem passenden Ziel für einen Spaziergang. Wer weitergehen möchte, kann den Besuch mit einem Ausflug entlang der Wupper verbinden.
Historische Zentren im Wandel
7. Wermelskirchen: Spuren des Wiederaufbaus
Ein großer Stadtbrand veränderte Wermelskirchen 1758. Ein erheblicher Teil des Ortskerns wurde danach wieder aufgebaut. Heute prägen verschieferte und alte Bürgerhäuser sowie die historische Stadtkirche das Zentrum.
Sehenswert sind die Gebäude an der Eich, der Marktplatz mit der Evangelischen Stadtkirche und dem historischen Marktbrunnen sowie das Gebäude Markt 10. Wer nach dem Stadtrundgang noch weiter möchte, kann einen Ausflug ins Eifgental anschließen.
8. Mettmann: die Oberstadt rund um St. Lambertus
Die St.-Lambertus-Kirche bildet das Zentrum der alten Mettmanner Oberstadt. In den umliegenden Straßen treffen ältere Fachwerkbauten auf Gebäude aus unterschiedlichen Epochen. Gerade diese Mischung zeigt, wie sich ein historischer Stadtkern über die Zeit verändert hat.
Für einen Rundgang bieten sich die Kirche, die Oberstadt und die Straßen rund um die Mittelstraße an. Ein Besuch lässt sich mit einem Ausflug ins nahe Neandertal und zum Neanderthal Museum verbinden.
9. Radevormwald: Stadtgeschichte nach mehreren Bränden
Radevormwald gehört zu den älteren Städten des Bergischen Landes. Mehrere große Brände veränderten das Stadtbild; besonders der Stadtbrand von 1802 hinterließ deutliche Spuren. Wesentliche Teile der heutigen Innenstadt entstanden danach.
Der Marktplatz und die umliegenden Straßen bilden das Zentrum. Radevormwald ist deshalb auch für Besucher interessant, die nicht nur einzelne historische Gebäude sehen, sondern nachvollziehen möchten, wie Zerstörung und Wiederaufbau eine Stadt geprägt haben.
10. Hattingen: Fachwerkaltstadt an der Ruhr
Hattingen liegt am südlichen Rand des Ruhrgebiets und gehört geografisch nicht zum eigentlichen Kern des Bergischen Landes. Für einen Ausflug aus der Region ist die Altstadt dennoch eine reizvolle Ergänzung. Rund 150 Fachwerkhäuser und Baudenkmäler prägen das historische Zentrum.
Zu den markanten Zielen gehören der Kirchplatz mit der St.-Georgs-Kirche, das Alte Rathaus, das Bügeleisenhaus und der Malerwinkel. Cafés und Restaurants machen es möglich, den Altstadtbummel mit einer Einkehr zu verbinden. Auch ein Abstecher ins Ruhrtal oder zur Burg Blankenstein lässt sich anschließen.
Woran sich bergische Baukunst erkennen lässt
Typisch für viele Orte der Region ist der sogenannte Bergische Dreiklang: dunkle Fachwerkbalken oder Schieferfassaden, weiße Fenster und grüne Schlagläden. Die konkrete Ausprägung unterscheidet sich jedoch von Ort zu Ort. In Lennep und Hückeswagen erzählen Häuser und Plätze von Tuchmachern und Kaufleuten; Gräfrath ist eng mit seiner Klostergeschichte verbunden. In Beyenburg spielten Handels- und Pilgerwege eine Rolle, während Langenberg von der Textilindustrie geprägt wurde.
Auch Brände gehören zur Geschichte mancher Ortskerne. Wermelskirchen und Radevormwald zeigen, wie Wiederaufbau das heutige Stadtbild mitbestimmt hat. Ein Altstadtbesuch führt damit nicht nur an schönen Fassaden vorbei, sondern macht unterschiedliche Kapitel der regionalen Wirtschafts- und Alltagsgeschichte sichtbar.
So wird aus dem Besuch ein guter Ausflug
Die zehn Orte bieten unterschiedliche Schwerpunkte: Wer ein geschlossenes historisches Ensemble sucht, findet es etwa in Gräfrath; wer sich für Handel und Tuchmacherei interessiert, kann Lennep oder Hückeswagen näher erkunden. In Beyenburg lässt sich der Ortsrundgang mit einem Blick auf die Landschaft verbinden, in Mettmann mit dem Neandertal und dem Neanderthal Museum.
Mehrere Altstädte an einem Tag abzuhaken, ist nicht nötig. Sinnvoller ist es, einen Ort auszuwählen und Zeit für seine Gassen, Plätze und historischen Gebäude einzuplanen. Für Remscheider bieten sich dafür zunächst Lennep und Lüttringhausen an – zwei unterschiedliche historische Ortskerne im eigenen Stadtgebiet.
